2. Impuls
Identifikation mit Jahresparolen oder Mottos - gehst du da immer mit?
Fabian Mayer, 13.03.2025

Mottos und Parolen sollen einen thematischen Rahmen bilden. Das Glutzeitmotto haben wir gesetzt. Aber kann man die Mottos auch mit Leben füllen? Hier mal eine Geschichte und Interpretation eines anderen Mottos:
Letztes Jahr wurden wir als Gluzeitredaktion angefragt bei der Pfingstnovene der Schönstattbewegung Deutschland mitzumachen. Die Pfingstnovene ist ein Gebetsleitfaden, der über 9 Tage (die 9 Tage vor Pfingsten) hinweg für jeden Tag Lieder, Impulse und Gebete zur jeweils aktuellen Jahresparole der Schönstattbewegung liefert. Ich habe mich nach der Anfrage breit erklärt in der ersten Arbeitsgruppe die Impulse und Gebete zur Jahresparole der Schönstattbewegung „Du bist groß in mir – mitgehen“ mitzugestalten. Bevor es aber überhaupt erst ein Treffen mit dem Vorbereitungsteam gab, habe ich mir Gedanken über diese Parole gemacht.
Das kam dabei raus:
Es fällt mir schwer, die Jahresparole zu meiner Jahresparole zu machen. Denn ich war in der Entstehungsphase nicht dabei und hatte bis dahin auch wenig Berührungspunkte damit. Trotzdem habe ich mich mit der Gestaltung der Pfingstnovene dazu entschieden, die Parole mit Leben und Inhalt zu füllen. Also dann muss ich jetzt ran.
Mit du ist sicher die Gottesmutter gemeint.
In der Schönstattwelt mit viel Marienverehrung ist das doch offensichtlich. Worum sollte es denn sonst gehen. Um Gott? Um meine Freundin? Um meinen Vater? Oder einen guten Freund? Nein, wir sind in Schönstatt, also geht es um die Gottesmutter.
Gut, wenn man statt du, dann Gottesmutter einfügt, heißt es: Gottesmutter ist groß in mir.
Ich-Bezogen, Egoistisch, da es aus der Ich-Perspektive formuliert ist. Das suggeriert, es müsste bei mir so sein. Naja, bei mir ist es nicht so. Die Gottesmutter ist eher mit mir, aber nicht in mir. Das ist für mich ein grundlegender Unterschied.
Und ist die Gottesmutter groß in mir?
Nein, ist sie nicht. Sie ist präsent, aber nicht groß. Oftmals ist sie gar nicht vorhanden. Es gibt zig Momente, in denen Sie auch nicht wichtig ist. Ich muss Sie mir oft in Erinnerung rufen, d. h. dass ich selbst aktiv die Gottesmutter z.B. mit einem Gebet in mein Leben lassen muss. Von alleine passiert das eher selten.
Mitgehen.
Vier Gedanken habe ich hier:
1. Das kann ich. Ein Mitläufer sein. Kein Vorausläufer, kein Zuerst-Denker. Das machen wir alle bei verschiedenen Themen.
2. Was ist aber, wenn ich Verantwortung übernehme? Dann gehe ich voraus und nicht mit. Das ist etwas anderes. Und da ich auch Verantwortung übernehmen muss oder will, passt das mit dem mitgehen nur, wenn man den Weg als Verantwortlicher in einer Gruppe mitgeht. Ja dann passt es wieder.
3. Es ist wieder der gleiche Gedanke wie schon oben bei der Phrase „die Gottesmutter ist groß in mir“. Sie ist nicht in mir, sondern Sie ist mit mir. Also gehe ich auch mit ihr. Das macht dann Sinn.
4. Aber ich gehe nicht oft mit ihr. Wie ich oben schon formuliert habe, muss ich aktiv selbst ein Gebet sprechen. Dann kommt Sie mehr in mein Leben.
Es klingt alles ein wenig so, als ob ich wenig mit der Jahresparole anfangen kann. Mag sein, dass ich kein Fan von dieser Formulierung bin, aber wenn man die Parole auseinander nimmt, dann komme ich dem Kern, der mich anspricht näher. Meine eigene Wahrnehmung bezieht sich allerdings auf das Schönstatt, dass mir keine Marienbewegung als Berufung gegeben hat, sondern ein Ort zum Leben mit vielen anderen lieben Menschen.
So wie ich es wahrgenommen habe, vermittelt die Jahresparole aber ein anderes Bild. Denn diese geht auf die tief verwurzelte schönstätterische Gottesmutterverehrung als Berufung ein. Dafür habe ich mich als Laie in meinem Lebenskonzept nicht entschieden, aber trotzdem trage ich vieles von dem Gottesmutterbezug in mir. Ich verstehe die Jahresparole, aber fühle sie nicht so intensiv. Trotzdem kann es jetzt losgehen mit der Gestaltung der Pfingstnovene.
Wenn du diese Interpretation der Schönstattjahresparole „du bist groß in mir – mitgehen“ ließt, kannst du da mitgehen oder hast du andere Gedanken? Denn in jeder Interpretation stecken Annahmen, die aus einer anderen Perspektive wiederum komplett anders auslegbar sind. Die christlichen Jahresparolen oder aber auch andere Parolen, wie z.B. solch politische Slogans auf Wahlplakaten können von jedem anders interpretiert werden. Das Risiko der Fehlinterpretation oder der anderen Wahrnehmung als die des Autors ist dabei immer da und oft auch recht groß. Vielleicht liege ich mit meiner Interpretation ja komplett daneben und die Autoren haben sich etwas anderes dabei gedacht.
Deshalb lade ich dich nun ein, dir Zeit zu nehmen und das diesjährige Glutzeitmotto „VonWegen! Auf Abwegen oder auf dem Weg?!“ für dich zu interpretieren. Sammle Assoziationen, Gedanken oder Ideen, die dir dazu einfallen. Kannst du hier mitgehen?